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Neuer Chor Würselen feiert 20jähriges Bestehen

„Glücksmomente“ verbinden SängerInnen, die Instrumentalband und das Publikum

Alsdorfer Stadtmagazin »und sonst?!« 11/2021

Von Joachim Peters

Es liegt eine längere Durststrecke hinter den Sängerinnen und Sängern des Neuen Chores Würselen. Das gilt nicht nur sprichwörtlich, sondern beinahe mental und physisch. Dann nämlich, wenn man Gesang als Nahrung für musizierende Kehlen und Stimmbänder wie für Seelen ansieht. Und das man dies so sehen kann, bestätigt Dr. Christoph Leuchter, Gründungs-Leiter des Neuen Chores. Doch die Durststrecke - hervorgerufen durch eine lange Corona-Pause ohne Proben - hat im Sommer und kurz vor dem 20jährigen Jubiläum ein Ende gefunden. Warum hat der Neue Chor in der Zwangspause nicht auf andere Formate zurückgegriffen wie Zoom-Singen oder Streaming?

Christoph Leuchter, der als Musiker und Texter eine Doppelbegabung ist und seinen Lebensunterhalt als Künstler wie als Germanist an der RTWH Aachen verdient, weiß eine plausible Erklärung: »Chorgesang kann man kaum synthetisch zusammensetzen. Es be darf eines gemeinsamen Probenraumes, des unmittelbaren Gesichtskontaktes, der Gemeinschafts-Atmosphäre".

Vorfreude auf das Konzert in der Stadthalle Alsdorf

Dieses Zusammentun, das auf ein Ziel und ein Projekt hinarbeitet, setze Adrenalin frei, befördere Glücksmomente. Wobei wir beim aktuellen Projekt des Neuen Chores wären, das da tatsächlich «Glücksmomente« heißt. Präsentiert wird es erstmals als Jubiläumskonzert zum 20jährigen Bestehen des Chores am 26. März, 19.30 Uhr, in der Stadthalle Alsdorf. In guter Tradition geht man dann mit dem neu einstudierten Programm aus zeitgenössischer und moderner Chormusik (Pop, Jazz, Musical) auf Tournee in der Städteregion - so es die Corona-Situation dann tatsächlich auch erlaubt. Ob, wie und wann dann die Konzerte stattfinden, ist dem jeweils aktuellen Stand des Links »Termine« auf der Homepage des Neuen Chores (www.neuerchor.de) zu entnehmen. Nach Stand der Dinge gibt es folgende Aufführungen:
11. Juni, Citykirche Aachen
29. Oktober, Zinkhütter Hof Stolberg
11. Februar 2023, Pfarrkirche St. Petrus in Baesweiler (jeweils um 19.30 Uhr).
»Glücksmomente«, so beobachtet es Christoph Leuchter seit Jahren, entstehen nicht nur durch den gemeinschaftlichen Gesang. Sie übertragen und potenzieren sich, wenn zu den SängerInnen in den letzten Proben vor einem Auftritt die Begleitband hinzukommt. Der höchste Grad des Glückgefühls ist erreicht, wenn sich der Klang des Vokal- und Instrumentalensembles mit den Blicken und Emotionen des Publikums verbindet. Besonders in einem so malerischen Ambiente wie an einem Sommerabend auf Burg Wilhelmstein. Christoph Leuchter: »Da entsteht eine Symbiose, die jeder Teilnehmer und Zuschauer spürt und auch nachher beschreiben kann«. Gemeinschaftsgefühle - wie werden sie ersehnt nach einer doch mühsamen Phase der Abschottung und coronabedingten »Kontaktvermeidung«.
Die Corona-Zeiten haben allen Chören zu schaffen gemacht, doch spricht Christoph Leuchter für »seinen« Neuen Chor Würselen von einer eher »luxuriösen Lage«. Die besteht darin, dass die Gemeinschaft aus jungen wie erfahrenen Sängern im Alter von 30 bis 68 Jahren besteht - voll im Saft und doch so stimmgeschult, dass auch eine längere Proben-Abstinenz nicht zum Abstürzen von Stimmen und Leistungsniveau führt. Einige andere Chöre hätten es da schon schwerer, zumal manch ältere Sänger aus Furcht vor Corona vielleicht zunächst einmal wegblieben und die weitere Entwicklung abwarten würde.

»Best off« aus 20 Jahren und Neues einstudiert

Der Name »Neuer Chor« mag in zweifacher Hinsicht irritieren: Er existiert seit 20 Jahren und auch seine SängerInnen sind älter geworden. Aber wie gesagt: Mit Stimmen im Alter von 30 bis eEnde 60 ist man nach wie vor gut aufgestellt. Und das »neu« bezieht sich auch darauf, dass man neuen Musikrichtungen gegenüber aufgeschlossen ist. Die Programme enthalten neben Bewährtem und schon Gehörtem immer neu Einstudiertes. So werden u.a. Queen- sowie Beatles-Songs und erstmals auch Ausschnitte aus »Jesus Christ Superstar« zu hören sein.

»Best Off and News« könnte der Untertitel zu dem Tournee-Projekt »Glücksmomente« lauten.

Als Solisten finden wir bekannte Namen wie die Band-Instrumentalisten Harald Claßen, Franz-Josef Ritzerfeld, Manes Zielinski und Markus Butz sowie die SängerInnen Christian Ritzerld und Patrick Kafka, welche erstmals durch Laura Wynands verstärkt werden.

Musik macht glücklich und schweißt menschlich und sozial zusammen: Dieser Grundtenor in unserem Ge spräch mit Christoph Leuchter lässt sich auch auf andere Aktivitäten des Neuen Chores übertragen: Die Aufnahme von 4 CDs während der letzten zwei Jahrzehnte zählt dazu ebenso wie Konzertreisen etwa in Würselens französische Partnerstadt Morlaix.

Es ist schön, Teil eines Ganzen zu sein

Von Birgit Becker-Mannheims

Wilfried Becker singt im »Neuen Chor« Würselen, in dem er seit fast 20 Jahren Mitglied ist, und schwärmt: »Neben dem Singen sind das Gemeinschaftsgefühl und die daraus entstandenen Freundschaften wirklich sehr schön. »Dort mitsingen zu können, sorgt bei mir physisch für ein schönes Gefühl.«

»Leider liegt der letzte Auftritt Coronabedingt ein wenig zurück, ebenso waren die Chorproben über einen längeren Zeitraum eingeschränkt. Insgesamt ist dies natürlich sehr schade, aber in Anbetracht der Gesundheit muss man schon auf sich und die anderen achten«, sagt der 68jährige.

»Ich singe nicht unter der Dusche,« erzählt Wilfried Becker (übrigens mein älterer Bruder) lachend, doch bereits als Schüler des Alsdorfer Gymnasiums sang er im Schulchor. Aufgewachsen im Stadtteil Zopp kannte er die Siedlergemeinschaft gut und ebenso das Männerquartett Alsdorf-Zopp. Sein, beziehungsweise unser Bruder Bernd war es auch, der ihn Anfang der 80er Jahre überredete, in dem reinen Männerchor Mitglied zu werden. (Ich habe also zwei singende Brüder!)

In dem reinen Männerchor als junger Mann zu singen war schon besonders, sagt Wilfried rückblickend. Obwohl er längst in Würselen lebte, fuhr er regelmäßig zur Chorprobe nach Zopp. »Unter den insgesamt 30 Männern waren fünf Tenöre. Ich war Erster Tenor und mein Bruder der Zweite Tenor.« Gesungen haben wir Motteten von Beethoven, Schubert oder Mozart. Aber auch Volkslieder von Silcher (In einem kühlen Grunde) oder Otto Groll, ebenso Karnevals-Potpouris. Auftritte gab es zahlreiche, auch außerhalb der Siedlung. Besonders in Erinnerung blieb aber der Auftritt des Männerquartetts 1981 zu Wilfrieds Hochzeit, als der Männerchor die Deutsche Messe von Schubert in der Kirche sang. Das Brautpaar freute sich über diese Ehre. Einige Jahre blieb mein Bruder dem Chor treu, doch leider hat sich das Männerquartett irgendwann altersbedingt aufgelöst.

Jahre später, es muss so 2002 gewesen sein, sahen Wilfried Becker und seine Frau Annemarie einen Auftritt des Neuen Chor Würselen. Noch heute erinnert er sich daran, dass er diesen Auftritt des gemischten Chores als sehr erfrischend empfand. Der damalige Pfarrer Lamberts hatte diesen Chor mit der Absicht ins Leben gerufen, neue Lieder in die Kirche zu bringen. Mein Bruder und meine Schwägerin waren auf Anhieb begeistert. Und da beide bereits über den Kindergarten einige Chormitglieder kannten, war der Kontakt schnell ge knüpft. Seit 2002 gehören sie dem Neuen Chor Würselen an. (Also habe ich auch noch eine singende Schwägerin).

Wilfried erzählt, dass sie schnell in der Chorgemeinschaft integriert waren, eine Chorgemeinschaft, die gelebt wird. Die Chemie stimmt einfach. Neben Chorfahrten und Auftritten auch privat. Singen im gemischten Chor ist schon anders im Vergleich zum Männerchor, auch in Sachen Liederauswahl. »Wir singen nicht nur Kirchenlieder, sondern querbeet. Von Klassik bis Pop. »Bohehian Rapsody« zu singen, war einfach genial und bei einem Auftritt beispielsweise auf Burg Wilhelmstein oder in der Stadthalle Alsdorf vor einem großen Publikum zu singen, ist toll.

»Manchmal bleiben mir die Töne weg, wenn ich von der Bühne aus das begeisterte Publikum sehe.«

»Unser Chor singt auswendig und dazu kommt noch Choreographie. Dies zu kombinieren, ist schon anspruchsvoll«.

»Christoph, unser Chorleiter ist Perfektionist, daher ist sein Anspruch an uns Sänger und Sängerinnen hoch. Er schafft eine musikalische Begeisterung die wir körperlich spüren.«

In Anbetracht des Alters freut sich mein Bruder, weiterhin im Chor zu singen und Teil eines Ganzen zu sein. Als einer von derzeit 10 Tenören genießt er es. Ist sich aber bewusst, das mit dem Alter, sich auch seine Stimme verändert. Mal sehen was die Zukunft bringt, sagt er.

Jetzt freut sich Wilfried Becker auf die Vorbereitungen zum 20jährigen Chor-Jubiläum im nächsten Jahr. Das Konzert wird »Glücksmomente« heißen – passt einfach, wie er findet.